Tüten-Talk mit Rewe, Teil 3: Nachfragen

Tüten bei ReweSoooo, Ihr Lieben.

Nun endlich habe ich mir die Zeit genommen, die ausführliche Antwort von Rewe (natürlich in ebenso ausführlicher Weise, öhöm) zu beantworten. Es war mir doch ein Bedürfnis, zu den Argumenten noch einmal etwas zu sagen, Anregungen zu geben, zu hinterfragen. Ich hoffe sehr, dass ich abermals (hach, wieder so ein tolles Wort, sollte in den aktiven Wortschatz!) eine Antwort erhalten werde.

Mittlerweile wurde übrigens in einem Zeitungsartikel (es ging um neuartige alkoholfreie Getränke, die von vielen neuen Start-Ups angeboten werden) der Herr, der meine E-Mail beantwortet hat, als „Rewe-Sprecher“ zitiert. Insofern betrachte ich es fortan (hach!… siehe oben) als unnötig, seinen Namen unkenntlich zu machen. Ich freue mich gleichzeitig irgendwie, dass meine Anfrage es tatsächlich dorthin geschafft hat. Auch wenn ich natürlich gar nicht weiß, ob das im Hause Rewe etwas Besonderes ist. Aber doch, ich freue mich.

Hier also nun endlich meine Antwort im Original-Wortlaut von heute. Ihr werdet sehen, dass ich meine in Teil 2 aufgelisteten Argumente etwas gruppiert/ zusammengefasst und einige leicht abweichend formuliert habe, aber im Kern sind sie unverändert.

„Sehr geehrter Herr Bonrath,

vielen Dank für diese freundliche und ausführliche Antwort.

Ich habe mir mal die Gründe gegen die Abschaffung der Knotenbeutel, die Sie in Ihrer Mail aufführen, zusammengefasst. Ich hoffe ich habe Sie in allen Punkten richtig verstanden, ansonsten wäre ich für eine Korrektur dankbar. Ich würde mich freuen, zu meinen nachfolgend aufgeführten Nachfragen und Gedanken zu den einzelnen Punkten noch einmal Ihre Meinung zu hören.

  • Rewe sagt: Die Knotenbeutel schützen das Obst vor Verunreinigung. Netze helfen nicht gegen Verunreinigungen des Obstes/Gemüses. >>> Ich stimme zu – Verunreinigungen, die nach der Auswahl des Obstes und des Gemüses durch den Kunden entstehen könnten, können durch die Knotenbeutel sicherlich verhindert werden. Und durch ein Netz nicht. Allerdings stellt sich doch die Frage, ob das notwendig ist. Schließlich war die Ware zuvor auch unverpackt und wurde von diversen Händen berührt. Dadurch potenziell verursachte Verunreinigungen werden ja auch durch den Knotenbeutel nicht beseitigt. Und das ist ja auch kein Problem: Vor dem Verzehr wird doch Obst und Gemüse ohnehin gewaschen oder geschält, evtl. sogar gekocht. Sollte es viele Kunden geben, die trotzdem nicht möchten, dass das Obst/Gemüse in Berührung mit z.B. Einkaufswagen oder Kassenband kommt, kann dieses doch auch mit einem textilen Mehrwegbeutel erreicht werden. (Einen solchen umfasst mein Vorschlag natürlich ebenso wie ein wiederverwendbares Netz.)
  • Rewe sagt: Der Gesetzgeber hält Knotenbeutel für geeignet, das Obst/Gemüse vor Verunreinigung zu schützen. >>> Auch hier stimme ich selbstverständlich zu. Geeignet ist der Knotenbeutel hierzu auf jeden Fall. Nur bleibt die Frage, ob die Verwendung eines Knotenbeutels erforderlich ist. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie ja nicht. Für erforderlich hält der Gesetzgeber den Knotenbeutel für Obst und Gemüse also nicht.
  • Rewe sagt: Die Knotenbeutel dienen gar nicht dem Transport, sondern vorrangig der Hygiene. >>> Zur Hygiene siehe oben. Allerdings freue ich mich, dass Sie die Knotenbeutel nicht zwecks Transport anbieten. Denn der Transport der Waren wäre doch auf jeden Fall mit einer alternativen Lösung denkbar. Ich war bisher immer davon ausgegangen, dass es vor allem bei kleinteiliger Ware wie z.B. Nüssen oder Weintrauben auch um den Transport geht. Ich nehme auch an, vielen Kunden geht es durchaus um den Transport. Aber lässt man dieses Argument außer Betracht ist es doch gut, dass hier ein bisher vermutetes „Hindernis“ für die Abschaffung der Knotenbeutel doch gar keines ist.
  • Rewe sagt: Die Knotenbeutel sind sehr dünn, für ihre Herstellung ist daher wenig Plastik nötig. Die Herstellung eines Netzes hat einen höheren Ressourcenverbrauch als die Herstellung eines Knotenbeutels. Ökologisch sinnvoller sind Netze erst, wenn sie oft wiederverwendet werden. >>> Es ist natürlich gut, dass die Knotenbeutel schon möglichst dünn sind. Allerdings wäre es doch dennoch besser, gar keine herzustellen? Die Problematik ist doch dieselbe wie bei allen Einwegverpackungen aus Plastik. Dass ein Netz wie von mir vorgeschlagen oder eine andere Art von Mehrwegbeutel bei der Herstellung einen höheren Ressourcenverbrauch hat, ist mir ebenfalls bewusst. Natürlich bezieht sich mein Vorschlag in der Tat auf wiederverwendbare Netze/Beutel, die viele Male benutzt werden können. Insofern liegt doch der Fall eigentlich genauso wie bei den Plastiktüten an der Kasse – Abschaffung der Einweg-Plastikverpackung zugunsten einer Mehrweg-Lösung.
  • Rewe sagt: Netze müssten zum Verkauf angeboten oder gegen Pfand herausgegeben werden. >>> Dieses wäre auch genau meine Idee. Was spricht dagegen, in der Obst-/Gemüseabteilung Beutel oder Netze zum Verkauf anzubieten, die der Kunde dann für das Obst und Gemüse verwenden kann und bei seinem nächsten Einkauf wieder mitbringt? Es ist wiederum aus meiner Sicht genau das gleiche wie an den Kassen. Auch eine Pfandlösung ist sicherlich denkbar, hier kann ich aber nicht einschätzen, ob nicht der damit verbundene Verwaltungsaufwand, Schwund, Reinigungsbedarf etc. eine solche Lösung eher unattraktiv machen würde. Natürlich müsste es ja eine Mehrweg-Pfandlösung sein, eine Einweglösung mit Pfand wäre aus meiner Sicht eine nicht ausreichende Idee.
  • Rewe sagt: Das Material der Tüte kann wiederverwertet werden, wenn es im Gelben Sack entsorgt wird. >>> Das stimmt natürlich. Allerdings trifft dieses ebenso auf alle möglichen anderen Einwegverpackungen aus Plastik zu. Das bedeutet aber aus den bekannten Gründen ja nicht, dass es sich um eine im Sinne der Nachhaltigkeit vorteilhafte Verpackung handelt. Zumal ja auch lange nicht alle Knotenbeutel ordnungsgemäß entsorgt werden. Im Sinne des Anliegens, Verpackungsmüll insgesamt zu reduzieren, sollte daher doch jede überflüssige Plastik-Verpackung unabhängig von ihrer Recyclingfähigkeit entfallen, und dazu gehören aus meiner Sicht eben diese Knotenbeutel für Obst und Gemüse, da eine Einwegverpackung hier schlicht unnötig ist und einfach weggelassen werden kann.
  • Rewe sagt: Netze können das Obst/Gemüse beschädigen. >>> Wenn diese Gefahr besteht, wäre das ein Argument, eher auf Mehrweg-Beutel statt Netze umzusteigen, aus meiner Sicht aber kein Argument für den Knotenbeutel.
  • Rewe sagt: Schon die Abschaffung der Plastiktüten hat zur Abwanderung von Kunden geführt. Es würden noch weniger Kunden zu Rewe kommen, wenn es diese Plastiktütchen nicht mehr gäbe. Denkbare Alternativlösungen für diese Tütchen sind für Kunden nicht praktikabel. Rewe hätte Umsatzeinbußen. >>> Sollte ich Sie in diesem Punkt richtig verstanden haben und die Abwanderung von Kunden aufgrund der Abschaffung der Plastiktüten an der Kasse wirklich eingetreten sein, möchte ich Rewe zunächst dafür loben, dass dieser – offenbar vorher schon befürchtete – Effekt in Kauf genommen und die Abschaffung der Plastiktüte trotzdem umgesetzt wurde. Es muss immer jemanden geben, der bei solchen positiven Veränderungen Vorreiter ist, auch wenn es gewisse Nachteile für ihn bedeutet. Sie können sich vorstellen, dass ich persönlich die Haltung dieser Kunden nicht nachvollziehen kann. Sollte auch bei der Abschaffung der Knotenbeutel eine Abwanderung von Kunden drohen, kann ich nur hoffen, dass diese ebenso seitens Rewe in Kauf genommen wird, um die Wende zu mehr Nachhaltigkeit voranzubringen. Ich glaube fest daran, dass mit der Zeit auch andere Supermärkte nachziehen werden und die Kunden sich schlicht daran gewöhnen müssen. Solche Veränderungen im Alltag, die auf den ersten Blick Unbequemlichkeiten bringen, werden nie bei allen Kunden beliebt sein, aber es ist wichtig, sie trotzdem umzusetzen.
  • Rewe sagt: Wer möchte, kann auch heute schon eigene Behälter mitbringen und sein Obst/Gemüse darin zur Kasse transportieren. >>>Vielleicht wäre es eine Idee, die Kunden offensiv hierüber zu informieren, z.B. durch ansprechende Plakate in der Obst- und Gemüseabteilung? Ein Aufruf an die Kunden, die Nutzung von Knotenbeuteln zu vermeiden, gepaart mit Informationen über die nachteiligen ökologischen Auswirkungen der Knotenbeutel, und natürlich auch die Möglichkeit, sofort einen geeigneten Mehrwegbeutel zur wiederholten Nutzung zu erwerben?

Sehr geehrter Herr Bonrath, meine Argumente und Ideen sollen allein dazu dienen, den Gedanken nachhaltigen Handelns voranzubringen. Ich denke, dass dieses am besten gelingen kann, wenn alle Beteiligten – hier z.B. die Rewe-Kunden und Rewe selbst – über ihren Schatten springen und sich aufgeschlossen für Veränderungen zeigen, auch wenn diese auf den ersten Blick mit bestimmten Nachteilen verbunden scheinen.

Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen“

So, wie gesagt, ich bin gespannt und sende Euch ebenso freundliche und gespannte Grüße!

Eure Birte

Verlinkt zu Einfach Nachhaltig Besser Leben.

Hier kommt Ihr zu Teil 1, Teil 2 und Teil 4 sowie Teil 5 des Tüten-Talks mit Rewe.

 

9 Kommentare zu „Tüten-Talk mit Rewe, Teil 3: Nachfragen

  1. Hallo!

    Wow, Du hast Dir wirklich ganz viel Arbeit und vor allem Gedanken gemacht, das Thema noch einmal gründlich zu zerlegen. Ich bin wirklich unglaublich gespannt auf die Reaktion von REWE!

    Vielen Dank fürs Verlinken zu EiNaB!

    lg
    Maria

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  2. Wie zuvor: Formschön formuliert! Wahrscheinlich ist der werte Herr trotzdem irgendwann genervt, aber ich bin mir sicher, dass er sich auch freut, mal eine reflektierte und gut argumentierte Nachricht zu bekommen, anstatt immer nur stumpfe Beschwerden zu lesen.
    Weiterhin bin ich auf die Entwicklung gespannt!

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  3. Danke schön! Ich bin auch nicht sicher ob er sich die Mühe machen wird, aber über eine unüberlegt-stumpfe Beschwerde kann er sich tatsächlich nicht beschweren 😉 Ich hoffe er sieht das auch so und antwortet nochmal.

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  4. Toll! Gut formuliert, positiv gehalten, konstruktiv – besser gehts nicht, behaupte ich mal, wenn man nicht nur meckern, sondern etwas erreichen möchte!
    Dankeschön! 🙂
    P.S. Ich habe nach wie vor keine Antwort… vielleicht wurde ich trotz Umformulierungen als Nachahmerin ertappt!?

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